Darf der das?

Zum Wochenende noch ein paar Gedanken und gerne auch, zum Mitdiskutieren.

Kürzlich hatte ich eine recht skurrile und zugleich amüsante Unterhaltung mit einem Vertriebsmann, den ich nun schon einige Jahre kenne.

Wir haben uns über sein Angestelltenverhältnis unterhalten, welches vom Arbeitgeber beendet wurde. Und wie so oft, bei der Diskussion über eine neue Position, ist der Dienstwagen und die Urlaubstage ein wichtiges Thema.

Für Verärgerung sorgte schon, dass sein Noch-Arbeitgeber auf die Idee gekommen ist, die Geschäftsfahrzeuge mit Kennzeichenhaltern auszurüsten, die für dessen Firma Werbung machen. Also künftig nicht mehr für den Autohändler Werbung fahren, sondern für die Firma, bei der man beschäftigt ist.

Die Fakten: das Fahrzeug wird dem Vertriebler auch für uneingeschränkte private Nutzung zur Verfügung gestellt. Leasingraten, Treibstoff, Versicherung, Wartung… eigentlich wird alles vom Arbeitgeber bezahlt. Bis auf den Treibstoff für Urlaubsfahrten, was wohl auch schon für manchen Unmut gesorgt hat. Es gilt die 1% Regelung bei Diesel- oder Benzinerfahrzeugen. (0,5% bei E-Autos) Hier handelt es sich aber um ein Dieselfahrzeug, also müssen bei einem Bruttolistenpreis des Fahrzeugs von 50.000€ jeden Monat 500,-€ geldwerter Vorteil versteuert werden. Nach der Einsicht meines Bekannten ist dies schon eine Zumutung. Die Fahrt zur Arbeit muss nicht versteuert werden, weil es sich um ein Homeoffice-Arbeitsverhältnis handelt.

Und jetzt noch Werbung für die Firma fahren, die ihm das Fahrzeug finanziert? Heisst eigentlich: „Alle sehen jetzt, dass das nicht mein eigenes Fahrzeug ist…“.

Ich war in meinen vorigen Positionen im Angestelltenverhältnis auch immer Dienstwagenfahrer und hatte nie ein Problem damit. Selbst kleine Sticker mit der Web-Adresse meines Arbeitgebers waren kein Problem für mich. Es war für mich die Identifikation mit der Firma, die mir ein gutes und faires Gehalt bezahlt.

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Wie sieht es sonst so aus, mit Repräsentation der Firma und Identifikation mit dem  Unternehmen, bei dem Sie beschäftigt sind?

Haben Sie den Elevator-Pitch drauf? Auch wenn man sie privat fragt, was Sie beruflich machen?

Tragen sie am Revers einen Sticker mit dem Logo Ihrer Firma?

Geht das wirklich zu weit, wenn man am Dienstwagen sieht, für welche Firma Sie unterwegs sind? Oder vielmehr, geht das in Ordnung, dass man sieht, dass das ein Dienstwagen ist?

Meinungen erwünscht…


Schönes Wochenende!

4 Thoughts

  1. Ein Vertriebsmann, der sich so wenig mit seinem Arbeitgeber identifiziert, ist für mich ein „no go“!
    Der Arbeitgeber wird seine Gründe gehabt haben, das Arbeitsverhältnis zu beenden.
    Ein guter Vertriebler lebt seinen Job, auch in der Aussenwirkung. Und weil er auf seinen Job fokussiert ist, hat er auch Erfolg! Wer ein 50.000€ Auto fährt und wem die 500€ zu versteuerndes Einkommen dafür zu viel sind, sollte sich mal überlegen, was die eigentlichen Kosten wären. Alleine die Afa beträgt für seinen Arbeitgeber ca. 850€ pro Monat! Unglaublich, welche Ignoranten es gibt!
    Herbert Seeger

  2. Das Firmenauto, di eheilige Kuh! Ein Quell periodischer Heiterkeit.
    Jetzt im Ernst mal: Was denkt der gute Mann eigentlich. Der Firmenname auf dem Kennzeichenhalter ist die wahrscheinlich diskreteste Art der „Werbung“, die man sich in diesem Zusammenhang überhaupt vorstellen kann.
    Ich wünsche dem lieben Vertriebsmann einen Job bei Minolta, Canon & Co.
    Dort sind die Außendienst Autos komplett zufoliert, der Logo-Sticker am Revers verpflichtend oder alternativ das Firmenhemd mit fettem Logo am Kragen.
    Und dass sich der Mitarbeiter das Benzin zum Urlaub fahren selber zahlen muss, ist ja wirklich eine Zumutung. In vielen anderen Firmen dürfen die Mitarbeiter dafür noch extra Kilometergeld dazuzahlen. Schließlich geht hier auch durchaus mehr Verschleiß ab, wenn die Kiste vollgepackt mit Kind & Kegel im Sommer tausende km in den Süden staut.

    1. Danke für Dein Statement. Ich denke, viele der Kollegen im Außendienst wissen gar nicht, wie gut sie es eigentlich haben. Ich musste vor einem Jahr nach mehr als einem Jahrzehnt wieder ein Auto auf mich zulassen. Ich weiss, wie das die Firmenkasse belastet… umso mehr war ich über dieses „Darf der das?“ erstaunt oder soll ich sagen verärgert?
      Liebe Grüsse nach Wien

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