Akustiklösungen für die Hotellerie

Ein sehr lesenswerter Artikel, der in der aktuellen „hotel objekte“ erschienen ist.

Von Andreas Holtz, Musikwissenschaftler M.A.

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Akustiklösungen für die Hotellerie

„Sie betreten ein erstklassiges Hotel. Beeindruckende Raumarchitektur, sterneverdächtige Gastronomie und perfekter Service unter dezenter Beleuchtung. Nur eines macht Sie stutzig: die ausgeblichene, zerrissene und wild zusammengewürfelte Bettwäsche in ihrem geräumigen Zimmer. Auf Nachfrage bittet man Sie am Empfang, bei solchen Details nicht so kleinlich zu sein und wünscht Ihnen einen schönen Tag…“

Was zunächst nach einer unglaublichen Geschichte klingt, ist leider Alltag in viel zu vielen, auch hochklassigen Häusern – mit einem kleinen Unterschied: es ist nicht die Bettwäsche, die gegenüber dem Hotelstandard so dramatisch abfällt. Es ist der Sound.

Was hört der Gast? Wo hört er es, und wie laut? Und was hat das, was er hört, mit dem Haus und vor allem mit ihm selbst zu tun? Eine ehrliche Antwort auf diese Fragen fällt allzu oft sehr ernüchternd aus. Die akustische Dimension des Hotelerlebnisses wird nicht selten geradezu stiefmütterlich behandelt.

Dabei ist die herausragende Bedeutung des akustischen Erlebens längst durch zahllose Erkenntnisse in Psychologie und Verhaltensforschung belegt. Das Gehör ist nicht nur der erste Sinn, der sich schon im Mutterleib entwickelt, sondern auch der einzige, der uns durch das gesamte Leben begleitet, ohne zwischendurch „abgeschaltet“ zu werden.

Gerade dies macht unser Gehör so besonders: im Gegensatz zum Auge kann das Ohr kaum selektieren oder fokussieren, es muss vielmehr „nehmen was kommt“. Hierin liegt auch der Grund, warum akustische Eindrücke unterbewusst – dafür aber umso intensiver – auf die von uns empfundene Atmosphäre einwirken. Mit rund 30% Anteil an den Sinneswahrnehmungen trägt das, was wir hören erheblich zu unserem Wohlbefinden bei.

Und genau dieses Wohlbefinden ist schließlich der Kern jenes „Produktes“, das ein Hotel anbietet. Dem wird in vielen Bereichen ja auch intensiv Rechnung getragen: dass Innenarchitekten, Floristen und Kunstvermittler detailliert am atmosphärischen Gesamterlebnis Hotel mitarbeiten, ist gang und gäbe. Warum gilt dergleichen nicht für das akustische Erscheinungsbild?

Ein Grund liegt sicherlich darin, dass es zur Erzeugung eines guten Soundkonzepts der Zusammenarbeit zahlreicher spezialisierter Gewerke bedarf. Von der Auswahl der Hardware wie Lautsprecher und Verstärker, über sinnvolle akustische Zonierung der Räumlichkeiten bis hin zur angemessenen Musikauswahl – überall kann man viel richtig, aber auch leider sehr viel falsch machen.

Obwohl die Bluetooth- und Funktechnologie so manche Verkabelungsprobleme zu reduzieren scheint, braucht es Erfahrung und Expertise, um ein Hotel in sinnvolle Sound-Zonen zu strukturieren. Ein Foyer klingt nun einmal anders als eine Hotelbar, im Wellnessbereich erwartet man eine andere Musikstimmung als im Restaurant.

Jede dieser akustischen Zonen erfordert darüber hinaus eine differenzierte Musikauswahl, bis hin zur Berücksichtigung von Jahres- und Uhrzeit. Musikwissenschaftler wissen: Es gibt sie, die Morgenmusik und den Sound zum Fünf-Uhr-Tee.

Aber wie findet man Musik, die den Charakter des Hauses reflektiert, die Gäste in all ihrer Unterschiedlichkeit anspricht? Streamingdienste liefern für solche Fälle oft nur den kleinsten gemeinsamen Nenner: die gefürchtete „Fahrstuhl-Musik“, die keinem wehtut, aber letztlich auch niemandem gefällt.

Um sich auf solch schwierigem Terrain erfolgreich zu bewegen, sind intelligente Playlisten und Feedbacksysteme zur Klang-Evaluierung ein wichtiges Werkzeug. Es gibt Plug-and-Play Systeme, die ganze Audioanlagen nebst CD-Stapel überflüssig machen und durch lernfähige Musikkataloge auch die zweifelhafte Titelauswahl auf dem Privathandy des Barmannes ersetzt.

Aber ganz ohne den „Human Factor“, also die Expertise eines erfahrenen Musikredakteurs, sind auch diese Hilfsmittel stumpf – es gibt eben keine gute Party ohne einen guten DJ.

Höchste Zeit also sich der Frage „Wie klingt eigentlich mein Haus?“ ganzheitlich zu stellen. Eine akustische Komplettlösung ist oft der direkte Weg zu einer Steigerung der Auslastung. Denn: So komplex das Thema „akustische Atmosphäre“ auch ist, ebenso groß ist das darin liegende Potential, das Gesamterlebnis der Gäste um eine wichtige Dimension zu bereichern.

Auch wenn es banal klingt: die Gesamtzufriedenheit des Gastes, seine Verweildauer und seine Bereitschaft zur Markentreue – all diese Faktoren korrelieren direkt mit seiner Wahrnehmung der Gesamtatmosphäre. Und die hängt eben nicht nur von der richtigen Auswahl der Bettwäsche, sondern mindestens ebenso stark von einer gelungenen Soundbegleitung während des gesamten Aufenthalts statt.

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